Private Credit: Investoren wenden sich Europa zu

Investoren wenden sich zunehmend dem europäischen Private Credit zu, da der Markt attraktive Renditen, Diversifikation und robuste Strukturen im Vergleich zu den USA bietet.

Strukturelle Veränderungen im europäischen Finanzierungsökosystem verändern das Verhalten von Unternehmen. Gleichzeitig sehen sich Unternehmen mit einem steigenden Investitionsbedarf (Capex) konfrontiert – insbesondere im Zusammenhang mit Digitalisierung, Energiewende und der Rückverlagerung von Lieferketten. In all diesen Bereichen bietet Private Credit Planungssicherheit und maßgeschneiderte Finanzierungslösungen. Diese Entwicklungen haben das Angebot an qualitativ hochwertigen Private-Credit-Investments deutlich gestärkt. Dynamisches Fundraising, eine zunehmende sektorale Breite sowie ein stärker diversifiziertes geografisches Opportunity-Set prägen den Markt zunehmend.

Gleichzeitig hinterfragen Investoren, die ihre Private-Credit-Allokationen historisch stark auf die USA konzentriert haben, zunehmend das relative Wert- und Risiko-Rendite-Profil. Vor diesem Hintergrund wird es für global agierende Investoren entscheidend, die Position Europas und seine Differenzierungsmerkmale genau zu verstehen.

Entwicklungen in den USA und Europa

Private Debt wurde ursprünglich in den USA entwickelt und hat sich in den vergangenen zehn Jahren zu einer bedeutenden Anlageklasse mit einem verwalteten Vermögen (AUM) von USD 1,1 Billionen¹ entwickelt, die sowohl institutionellen als auch privaten Investoren zugänglich ist. Der europäische Markt ist mit USD 488 Milliarden zwar ebenfalls groß und wachstumsstark, stand jedoch lange im Schatten seines größeren Pendants.

In den vergangenen Jahren ist jedoch ein deutlich wachsendes Interesse von Investoren an europäischen Private-Debt-Strategien zu beobachten. Dies spiegelt sich insbesondere in der Fundraising-Dynamik wider: Laut Preqin entfielen in den ersten drei Quartalen 2025 bereits 46 % des globalen Fundraisings im Private-Credit-Bereich auf Europa – nahezu eine Verdopplung gegenüber einem Anteil von 23 % im Jahr 2024. Dies signalisiert eine deutliche Beschleunigung der Kapitalzuflüsse in die Region und unterstreicht die strukturell steigende Investorennachfrage.

Ein Großteil dieser zusätzlichen Nachfrage stammt von institutionellen Investoren, die bislang überwiegend in den USA investiert waren. Dies mag angesichts der makroökonomischen Herausforderungen in Europas größten Volkswirtschaften zunächst überraschend erscheinen. Allerdings zeigen Daten des Internationalen Währungsfonds (IWF) eine gewisse Stabilisierung der europäischen Wirtschaft: Für Deutschland wird ein reales BIP-Wachstum von 1,1 % im Jahr 2026 und 1,5 % im Jahr 2027 prognostiziert, für das Vereinigte Königreich 1,3 % bzw. 1,5 % und für Frankreich 1,0 % bzw. 1,2 % (laut aktueller IWF-Prognose²). Auch wenn diese Wachstumsraten moderat sind, sprechen sie für ein stabiles Umfeld, in dem Private Credit eine wichtige Rolle spielen kann.

Abbildung 1: Anteil des Fundraisings nach regionalem Fokus -
Europa vs. Nordamerika

Quelle: Global Preqin Report, with intelligence/S&P

Steigendes Interesse an Europa wird durch Diversifikationsbedarf und relative Bewertung getrieben

Ein wesentlicher Treiber ist der anhaltende Bedarf an Diversifikation – insbesondere vor dem Hintergrund, dass globale Portfolios strukturell stark in den USA übergewichtet sind. Asien befindet sich zwar im Wachstum, verfügt jedoch derzeit noch nicht über die notwendige Größe und Markttiefe, um sehr große institutionelle Allokationen aufzunehmen. Damit bleibt Europa aktuell der einzige weitere Markt mit vergleichbarer Reife und Kapazität im Bereich Private Credit.

Der US-Markt für Direct Lending erscheint aus Risiko-Rendite-Sicht zunehmend angespannt. Die gestiegene Markteffizienz hat dazu geführt, dass einige Strukturen an ihre Grenzen stoßen und sich der Renditeaufschlag gegenüber den öffentlichen Märkten verringert hat. Laut Lincoln International lag die Margenkompression in der Veröffentlichung für das erste Quartal 2026 bei über 100 Basispunkten, während sogenannte „Shadow Default Rates“ (definiert als „Bad PIK“) von 2,5 % im vierten Quartal 2021 auf 6,4 % im vierten Quartal 2025 gestiegen sind.³

Parallel dazu verzeichneten mehrere US-Business Development Companies (BDCs) zuletzt deutliche vierteljährliche Rückgänge ihres Net Asset Value. Das Ausmaß dieser Rückgänge ist bemerkenswert, insbesondere da diese Vehikel üblicherweise von einer hohen Portfoliodiversifikation sowie einer Senior-Secured-Positionierung profitieren sollten. Ein wesentlicher Faktor dürfte darin liegen, dass diese Fonds häufig mit einem Verschuldungsgrad von über 1:1 arbeiten, während europäische Private-Credit-Fonds überwiegend ohne Leverage strukturiert sind.

Darüber hinaus gewinnt die sektorale Konzentration zunehmend an Bedeutung, insbesondere im Softwarebereich, der zu den bevorzugten Segmenten im Private Credit zählt. UBS schätzt, dass etwa ein Drittel der US-Private-Credit-Exposures auf Unternehmen entfällt, die in unterschiedlichem Maße durch KI-getriebene Disruptionen betroffen sein könnten. Auch wenn Manager argumentieren, dass dieser Anteil tendenziell überschätzt wird und Technologieunternehmen grundsätzlich solide aufgestellt sind, lassen durchschnittliche Verschuldungsniveaus von rund dem Achtfachen nur begrenzten Spielraum für operative Abschwächungen.⁴

Auch der europäische Private-Credit-Markt ist wettbewerbsintensiv, jedoch weniger stark den oben beschriebenen Faktoren ausgesetzt. Europäische Fonds sind überwiegend unverschuldet strukturiert, und die Konzentration im Technologiesektor ist geringer. Stattdessen sind die Sektorallokationen breiter gestreut, mit dynamischen Teilsegmenten wie Energiewende und digitaler Transformation. Diese Sektoren sind insbesondere in Märkten wie Deutschland, Frankreich und dem Vereinigten Königreich von hoher Relevanz, da dort Investitionen in energiebezogene Infrastrukturmodernisierung und Digitalisierung Priorität haben. Diese breitere sektorale Aufstellung verleiht Europa zusätzliche Resilienz und Diversifikation.

Wertpotenziale im Core-Mid-Market-Segment erschließen

Auf der einen Seite führen regulatorische Rahmenwerke wie Basel IV dazu, dass Banken mehr Eigenkapital für Unternehmenskredite vorhalten müssen, was ihre Bereitschaft zur Finanzierung des Mittelstands reduziert. Auf der anderen Seite suchen immer mehr mittelständische Unternehmen nach langfristigen Finanzierungspartnern, die sie bei Transformationen im Bereich Digitalisierung, Energiewende und der Rückverlagerung von Lieferketten unterstützen. Daraus ergeben sich vielfältige Opportunitäten für institutionelle Investoren.

Der Markt hat mittlerweile eine Größenordnung und Reife erreicht, die eine klare strategische Differenzierung ermöglicht. Gleichzeitig nimmt die Segmentierung zu, sodass Investoren gezielt Strategien auswählen können, die ihrer Risikoneigung, ihren Renditeerwartungen und ihren Portfoliozielen entsprechen.

Eine erste klare Segmentierung zeigt sich zwischen dem Upper Mid-Market und dem Core Mid-Market. Der Upper Mid-Market – typischerweise mit Fokus auf Unternehmen mit einem EBITDA von über EUR 75–100 Millionen – verzeichnete im Jahr 2022 ein starkes Wachstum, als der Markt für breit syndizierte Kredite (Broadly Syndicated Loans) für neue Emittenten weitgehend geschlossen war. Dieses Zeitfenster hat sich inzwischen wieder geschlossen. Zwar bleibt das Segment aktiv und wachsend, sieht sich jedoch wieder einer starken Konkurrenz durch die sehr dynamischen Kapitalmärkte gegenüber, die aktuell Rekordvolumina im Bereich der syndizierten Kredite verzeichnen.

Infolgedessen sind Transaktionen in diesem Segment häufig durch Covenant-Lite-Strukturen geprägt und bieten nur begrenzte Margenaufschläge, da Kreditnehmer bei zu restriktiven oder teuren Konditionen wieder auf den Markt für syndizierte Kredite ausweichen können. Unter den aktuellen Marktbedingungen bewegen sich die Margen über dem Basiszinssatz typischerweise im Bereich von 425 bis 475 Basispunkten. Dieses Segment wird vor allem von globalen Managern mit sehr großen Fonds dominiert, die erhebliche Kapitalvolumina investieren müssen und daher größere Transaktionen bevorzugen.

Im Gegensatz dazu bleibt der Core Mid-Market, definiert als Unternehmen mit einem EBITDA von EUR 15–50 Millionen, weitgehend von der Konkurrenz durch die Kapitalmärkte abgeschirmt. Transaktionen in diesem Segment zeichnen sich in der Regel durch höhere Margenaufschläge, stärkere Covenant-Strukturen, individuellere Ausgestaltungen sowie eine bessere Interessenangleichung zwischen Kreditgebern und Kreditnehmern aus.

In diesem Segment ist Allianz Global Investors aktiv und legt den Fokus auf diszipliniertes Underwriting und robuste Vertragsstrukturen in einem Marktumfeld, in dem risikoadjustierte Renditen weiterhin attraktiv sind. Die Margen bewegen sich hier typischerweise im Bereich von 500 bis 575 Basispunkten.

Die Ausrichtung auf den Core Mid-Market bedeutet zudem, dass vor allem lokale Unternehmen finanziert werden, die auf nationaler oder europäischer Ebene tätig sind. Diese sind im Durchschnitt weniger anfällig für Zölle, Lieferkettenstörungen und globale makroökonomische Faktoren als größere Unternehmen. Im Portfolio wird daher angestrebt, insbesondere lokale Marktführer zu finanzieren, deren Umsätze überwiegend in Europa generiert werden und die nur eine begrenzte Abhängigkeit von globalen Lieferketten aufweisen.

Darüber hinaus entwickelt sich der Markt zunehmend zu einem pan-europäischen Markt. Noch im Jahr 2020 entfielen laut Deloitte rund 37 % des gesamten Investitionsvolumens auf das Vereinigte Königreich.⁵ Bis zur ersten Hälfte des Jahres 2025 ist dieser Anteil auf etwa 27 % gesunken, was auf eine stärkere geografische Diversifikation hindeutet. Für Investoren eröffnet sich damit ein breiteres und ausgewogeneres Anlageuniversum.

Gleichzeitig bringt die Tätigkeit in mehr als 20 Jurisdiktionen – jeweils mit eigenen rechtlichen, regulatorischen und finanzierungsbezogenen Rahmenbedingungen – eine erhöhte Komplexität mit sich. Wird diese jedoch strukturiert adressiert, entstehen Ineffizienzen, die gut positionierte Manager in zusätzliche Renditen umwandeln können. Sollte sich der Dealflow abschwächen oder sich die Kreditqualität in einer Jurisdiktion verschlechtern, kann die Kapitalallokation gezielt in attraktivere Regionen verlagert werden. Als institutioneller Investor mit pan-europäischer Aufstellung und lokaler Präsenz nutzt Allianz Global Investors diese Marktnähe, um insbesondere in Frankreich, dem Vereinigten Königreich, Deutschland und den Niederlanden attraktive Direct-Lending-Opportunitäten zu identifizieren und zu nutzen.

Das europäische Anlageuniversum wächst weiterhin schrittweise. Banken bleiben in mehreren Märkten aktiv, ziehen sich jedoch strukturell infolge regulatorischer Anforderungen zurück und setzen zunehmend auf Originate-to-Distribute-Modelle und/oder Partnerschaften mit Private-Debt-Fonds. Sponsor-getriebene Transaktionen stellen nach wie vor die wichtigste Quelle für Dealflow dar – mit einem Anteil von über 90 %. In diesem Segment ist es entscheidend, belastbare Beziehungen aufzubauen, die auf Vertrauen und der Fähigkeit basieren, sowohl in günstigen als auch in herausfordernden Marktphasen zuverlässig zu agieren.

Parallel dazu gewinnt auch sponsorloses Lending an Bedeutung. Historisch wurde dieses Segment häufig primär zur Renditesteigerung genutzt. Mit zunehmender Etablierung von Private Credit ist jedoch zu erwarten, dass immer mehr qualitativ hochwertige mittelständische Unternehmen ohne Sponsor langfristige Finanzierungspartner für ihr Wachstum suchen. Aufgrund der starken Reputation und des Netzwerks von Allianz ist es das Ziel, auch mit diesen Unternehmen zusammenzuarbeiten und gleichzeitig zusätzliche Diversifikation für die Investoren zu schaffen.

Diese strukturellen Angebotsfaktoren – restriktivere Kreditvergabe durch Banken, erheblicher Investitionsbedarf sowie eine wachsende Zahl mittelständischer Unternehmen mit Bedarf an langfristigen Finanzierungspartnern – erweitern das Opportunitätenspektrum für Private-Credit-Investoren. Entscheidend ist, dass diese Entwicklungen weitgehend unabhängig von zyklischen Marktschwankungen verlaufen und damit zu einem nachhaltigeren und skalierbaren europäischen Private-Credit-Ökosystem beitragen.

Abbildung 2: Anzahl der abgeschlossenen Direct-Lending-Transaktionen in der EU

Quelle: Deloitte Private Debt Deal Tracker Autumn 2025

Europa hebt sich hervor

Insgesamt hat sich der europäische Private-Credit-Markt zu einer voll etablierten institutionellen Anlageklasse entwickelt, mit einem verwalteten Vermögen von rund EUR 400 Milliarden und einem schnell wachsenden Opportunity-Set. Die Kombination aus struktureller Diversifikation, verbesserten rechtlichen Rahmenbedingungen, bestehenden Marktineffizienzen und attraktiven sektoralen Dynamiken ermöglicht es Investoren, Portfolios mit hoher Tiefe und breiter Risikostreuung aufzubauen.

Gleichzeitig bietet Europa derzeit weiterhin einen Renditeaufschlag von mehr als 200 Basispunkten gegenüber den öffentlichen Märkten, was die langfristigen Renditeprofile verbessert und gleichzeitig defensivere Eigenschaften mit sich bringt. In einem Umfeld, in dem globale Investoren ihre Portfolios zunehmend von konzentrierten Allokationen weg diversifizieren, positioniert sich Europa nicht nur als attraktive Alternative, sondern als überzeugende strategische Allokationschance.

1) Preqin Global Report
2) IMF World Economic Update January 2026
3) Q1 2026 Private Market Webinar: U.S. EditionReports 2025
4) UBS Global Credit Strategy January 2026
5) Deloitte Deal Tracker 2025

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