Wie viel Risiko sollte man eingehen? Zwei Investoren, Isabel und Alexander, reagieren auf Veränderungen im Leben
Isabel hat eine Veränderung in ihren Lebensumständen erlebt und möchte einen Teil ihrer Anlagen in einen Einkommensfonds umschichten. Alexander sucht nach einer neuen Einkommensanlage, nachdem er ein Erbe erhalten hat. Welche Fonds sollten sie wählen?
Sie erinnern sich vielleicht an Isabel und Alexander aus einem früheren Artikel: Thesaurierung oder Ausschüttung: Was passt zu welchem Anleger? Damals hatte Isabel einen gut bezahlten Job und bevorzugte die Anlage in einen thesaurierenden Fonds. Ihr Ziel war es, den langfristigen Wert ihrer Investments zu maximieren, während sie ihre täglichen Ausgaben über ihr Gehalt deckte. Alexander hingegen arbeitete in Teilzeit und kümmerte sich um seine betagten Eltern. Er investierte in einen Einkommensfonds, um sein Einkommen zu ergänzen.
Seitdem hat sich einiges verändert – und nun suchen beide Anleger einen neuen Einkommensfonds. Doch weil sich ihre Lebenssituationen unterscheiden, unterscheidet sich auch ihre Risikobereitschaft.
Eine Chance, ihren Traum zu verfolgen
Die große Veränderung in Isabels Leben ist, dass sie ihren Job gekündigt hat, um ihren Traum zu verwirklichen: ein eigenes Unternehmen zu gründen. Viele Jahre lang hat sie als Softwareentwicklerin gearbeitet und einen beträchtlichen „Notgroschen“ aufgebaut. Dieses Geld möchte sie nun nutzen, um sich während der Entwicklung ihres Businessplans zu finanzieren – sie hofft, mit ihrem Technologiehintergrund die Reisebranche zu verändern.
„Ich wollte schon immer Unternehmerin sein“, sagt sie. „Ich möchte mir diese Chance nicht entgehen lassen. Ich wage jetzt den Sprung!“
Nach Rücksprache mit einer Finanzberaterin hat Isabel beschlossen, ihren „Notgroschen“ in einen Einkommensfonds zu investieren. Die Erträge daraus sollen helfen, ihre Lebenshaltungskosten zu decken, während sie ihr Unternehmen aufbaut. Mit Unterstützung der Beraterin – und einigen Einsparungen im Alltag – glaubt sie, ein bis zwei Jahre zu haben, um ihr Unternehmen auf stabile Beine zu stellen.
Inmitten der Trauer – die Chance auf einen Neuanfang
Alexander hat ein noch einschneidenderes Ereignis erlebt: Seine Eltern sind verstorben. Nach der Organisation der Beerdigung, dem Ausräumen der Wohnung und einer Phase der Trauer bewertet er nun seine finanzielle Lage. Als Einzelkind wird er den Großteil des Vermögens seiner Eltern erben, abzüglich Erbschaftssteuern und Rechtskosten.
Das Erbe ist erheblich – möglicherweise genug, um ein Haus vollständig zu kaufen. Doch Alexander weiß noch nicht, wo er in den nächsten Jahren leben möchte. Ein kleiner Lichtblick nach dem Tod seiner Eltern ist, dass seine Pflegeverpflichtungen nun entfallen und er dadurch mehr Freiheit genießt als früher. Er überlegt, eine Auszeit zu nehmen und nach Südamerika zu reisen.
„Die letzten Monate waren hart“, sagt er. „Emotional sehr belastend. Ich brauche eine Pause, einen Neustart. Danach entscheide ich, wie es weitergeht.“
Da Alexander in den vergangenen Jahren daran gewöhnt war, sein Teilzeiteinkommen mit Einkommensfonds zu ergänzen, möchte er nun einen Teil seines Erbes ähnlich nutzen. Die Erträge daraus sollen die Kosten während seiner Reise decken.
Isabels Wahl – die risikoärmere Option
Während sie noch Vollzeit angestellt war, konnte Isabel langfristig investieren. Das Geld, das sie monatlich anlegte, sollte erst viele Jahre später – im Ruhestand – benötigt werden. Daher war sie bereit, ein gewisses, vertretbares Risiko einzugehen, in der Erwartung, dass sich dieses Risiko langfristig in Form einer guten Rendite auszahlen würde.
Bei ihrem „Notgroschen“ sieht das nun anders aus. Ihre berufliche Zukunft ist ungewiss, und sie möchte sicherstellen, dass sie dieses Polster nicht aufbraucht, bevor ihr Unternehmen auf festen Beinen steht.
„Dieses Geld könnte über Erfolg oder Misserfolg meines Unternehmens entscheiden“, sagt sie. „Ich muss dafür sorgen, dass es reicht!“
Isabel hat sich für einen Einkommensfonds mit niedriger Risikoklasse entschieden.1
- Die Art von Fonds investiert häufiger in Anleihen als in Aktien.
- Sie können in festverzinsliche Anlagen investieren, wie zum Beispiel kurzfristige Anleihen oder variabel verzinsliche Wertpapiere, die in der Regel weniger schwankungsanfällig sind als andere Anlageklassen.
- Weniger risikoreiche Fonds werden wahrscheinlich keine sehr hohen Renditen erzielen, dafür sind sie aber auch weniger anfällig für starke Kursschwankungen und Verluste.
Für Isabel ist dies die passendere Wahl.
Alexanders Wahl – mehr Risiko, mehr Chance auf Rendite
Alexander hingegen ist bereit, mit seiner neuen Anlage mehr Risiko einzugehen. Dank seines Erbes hat er eine solide finanzielle Grundlage und ist zuversichtlich, seine Bedürfnisse in den kommenden Jahren decken zu können.
„Meine Rente ist nicht mehr allzu weit entfernt“, sagt er. „Ich hoffe, dass meine Geldanlagen bis dahin noch wachsen.“
Alexander ist bereit, Einkommensfonds mit moderatem Risiko in Betracht zu ziehen.
- Fonds dieser Art können in Aktien investieren; häufig zielen sie auf Unternehmen ab, die hohe Dividenden zahlen.
- Sie können Multi-Asset-Fonds einschließen, die auf Diversifikation setzen – zum Beispiel durch Investitionen in Aktien, Anleihen und andere Anlageformen wie Rohstoffe.
- Ziel ist es, ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Risiko und Rendite zu erreichen.
Alexander weiß, dass sein Fonds Schwankungen und zeitweise Verluste erleben könnte. Er ist jedoch zuversichtlich, dass er Phasen schwächerer Wertentwicklung aushalten kann, in der Erwartung, dass sein Fonds langfristig bessere Chancen auf gute Renditen bietet.
Zwei Anleger, zwei Anlagehorizonte
Der Unterschied zwischen Isabel und Alexander liegt in ihrem Anlagehorizont. Isabel denkt in einem Zeitraum von ein bis zwei Jahren – sie möchte vermeiden, dass Marktschwankungen ihr Kapital gefährden, bevor ihr Unternehmen startet. Daher ihr risikoarmes Vorgehen.
Alexander hingegen verfügt dank seines Erbes über finanzielle Sicherheit. Da seine kurzfristigen Bedürfnisse gedeckt sind, kann er langfristig – etwa 10 bis 15 Jahre bis zur Rente – planen. Damit ist er bereit, mehr Risiko einzugehen, um langfristig höhere Renditen zu erzielen.
Denken Sie über eine Investition in einen Einkommensfonds nach? Entspricht Ihre Situation eher der von Isabel oder der von Alexander?
1) In Europa werden Risikoklassen beispielsweise häufig über einen Summary Risk Indicator (SRI) dargestellt. Dieser zusammenfassende Risikoindikator ist eine standardisierte Risikomessung, die im Basisinformationsblatt eines Fonds enthalten ist. Die Skala reicht von eins (geringstes Risiko) bis sieben (höchstes Risiko).